Selmer Mark VI Tenor von 1965 (versilbert)
Ein versilbertes Selmer Mark VI Tenor von 1965 ist ein professionelles Bb‑Tenorsaxophon, das als eine der klanglich und spieltechnisch prägendsten Saxophongenerationen überhaupt gilt und bis heute als Referenz für Jazz‑Tenöre angesehen wird.
Konzept und Bauidee
- Bauperiode: 1965 liegt in einer Phase, die viele Spieler als „goldene Mitte“ der Mark‑VI‑Tenöre ansehen (stabile Intonation, kräftiger Ton, ausgereifte Mechanik).
- Designidee: Universal‑Horn für Profis, das Studio, Bigband und Combo gleichermaßen abdeckt – nicht als „Vintage‑Projekt“, sondern als damals modernstes Arbeitsinstrument.
- Zielgruppe: Berufssaxophonisten und ambitionierte Amateure in Jazz, Tanz‑/Showband und moderner Unterhaltungsmusik; häufig erste Wahl für Spieler, die ein sehr charaktervolles, tragfähiges Tenor suchen.
Klang und Spielgefühl
- Klangcharakter: Kräftiger, obertonreicher, eher dunkler Grundklang mit präsenter Kernmitte; kann bei Druck sehr durchsetzungsfähig und „knurrig“ werden, bleibt aber formbar und farbig.
- Blaswiderstand: Mittlerer bis deutlicher Widerstand, je nach Exemplar und Setup; bietet viel Gegenhalt für Gestaltung, spricht aber mit guter Luftführung zuverlässig an.
- Ansprache/Intonation: Schnelle Ansprache, besonders im mittleren Register; typisch leichte Intonationsbesonderheiten (z.B. manche Palmkeys oder bestimmte Töne im oberen Register), die erfahrene Spieler gut kompensieren.
Ergonomie und Verarbeitung
- Klappenwerk: Klassische Selmer‑Mechanik mit für die Zeit sehr moderner Ergonomie; Griffgefühl etwas kompakter und „mechanischer“ als bei vielen heutigen Hörnern, aber sehr direkt und präzise, wenn gut eingestellt.
- Tonlöcher/Polster: Gezogene Tonlöcher, traditionell mit Lederpolstern und Metall‑Resonatoren (häufig flache oder leicht gewölbte Resonatoren, je nach damaliger Ausstattung und späteren Überholungen).
- Ausstattung: keine Hoch‑Fis‑Klappe i; der Daumenhaken ist fest und nicht verstellbar, lässt sich aber bei Bedarf gegen moderne Varianten tauschen; die haptische Anmutung ist insgesamt solide, mit klassisch filigranen Hebeln.
Optik und Finish (versilbert)
- Finish: Durchgehende Versilberung der Mechanik und Röhre; die Versilberung wirkt optisch heller und kühler als Goldlack, kann je nach Alter und Pflege matte Stellen, Patina oder leichte Anlaufspuren zeigen.
- Wirkung des Silbers: Viele Spieler empfinden versilberte Mark‑VI‑Tenöre als minimal „direkter“ und etwas fokussierter im Klangempfinden als lackierte Ausführungen, bei gleichbleibendem Grundcharakter des Instruments.
- keine Gravur
Meine Erfahrungen:
Es gibt kein Instrument, was ich soviel gespielt habe, wie mein MK 6.
Sicherlich ist es auch mein wertbeständigstes Instrument. Ich habe eine Menge MK 6 anspielen können und alle waren sehr unterschiedlich. Ein befreundeter Musiker empfand beim Antesten, dass es eher an sein SBA als an sein MK6 erinnert.
Im Vergleich zum T-WO20 empfinde ich mein MK6 leichter und schneller. Das T-WO20 empfinde ich fokussierter und etwas dynamischer.